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Spielshows mit Hugo Egon Balder – „Der Klügere kippt nach.“

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Hugo Egon Balder © Sat.1 / Frank Hempel

Hugo Egon Balder © Sat.1 / Frank Hempel

Auf Sat1 liefen die letzten Wochen Spielshows mit Hugo Egon Balder mit den Titeln „Peng! Die Westernshow“, „Holldriöh! Die Alpenshow“, „Schlotter! Die Gruselshow“. Und nächste Woche folgt noch „Aloha! Die Südseeshow“.

Ein sehr interessantes Interview mit Hugo Egon Balder zu diesen Shows und deren Zukunft gibts hier. Ich habs mal ein bisschen lesbarer formatiert:

Im AP-Interview äußert sich der Moderator über seine Auffassung von Unterhaltung, seine Ideengeber und noch unausgereifte Pläne. Hier der Wortlaut des Interviews:

AP: Wie sind eigentlich die Titel Ihrer vier neuen Shows – «Peng! Die Westernshow», «Aloha! Die Südseeshow», «Schlotter! Die Gruselshow» und «Holldriöh! Die Alpenshow» entstanden?

Balder: Die Titel hat mein Freund, der Produzent Jackie Dreksler, erfunden. Wir saßen im Februar zusammen in Flensburg bei der Produktion von «Jetzt wird eingelocht!», und da er hat zu mir gesagt: «Was hältst Du davon, wenn wir mal so’n Ding machen wie ‘Peng! Die Westernshow’?» Fand ich lustig.

AP: Wollen Sie noch mal Marcel Reich-Ranicki recht geben und Flachsinn produzieren?

Balder: Na ja – was heißt Flachsinn? Da haben wir wieder das alte Problem bei uns in Deutschland: Machen Sie Unterhaltung, machen Sie automatisch Flachsinn. Was bleibt uns übrig? Wir machen am besten überhaupt nichts mehr, keine Unterhaltung, auch nichts mehr Lustiges, alles gestrichen. Nur noch Shakespeare, Faust, Schiller und Goethe – obwohl übrigens Shakespeare sehr lustig ist, wenn man ihn richtig spielt, Harald Schmidt beweist es gerade in Stuttgart.

AP: Was würde ohne Unterhaltung passieren, würde dann alles in Trübsinn verfallen?

Balder: Na ja – wir hätten alle nichts mehr zu lachen. Zwtl: Bullenreiten mal anders.

AP: In «Peng! Die Westernshow» gibt es ein «Bullenreiten auf Balder-Art». Was geht denn da ab?

Balder: Bullenreiten, wie man es kennt, gibt es bei uns nicht, weil es langweilig ist. Das läuft bei uns etwas anders ab. Da ist ein aufblasbarer Bulle an Seilen aufgehängt. Er lässt sich steuern, indem man an den Seilen zieht. So kann man versuchen, den, der oben sitzt, runterzuholen. Bei uns spielen drei Prominente, die sehr gut und auch nicht doof sind, gegen drei Zuschauer, die ich mir in der Sendung erst aussuche – also zurück zu den Wurzeln. Peter Frankenfeld hat das auch gemacht, das fand ich immer sehr schön.

AP: Was gibt es zu lachen?

Balder: Eine Menge! Zum Beispiel Frau Schöneberger auf dem Bullen: Kaum war sie drauf, war sie auch schon wieder runter – wunderbar! Die Schwierigkeit war auch, da überhaupt erst ‘raufzukommen. Das war sehr lustig, und alle haben sich köstlich amüsiert. Es ist einfach nicht ernst zu nehmen, und man darf nicht nach dem Sinn fragen – einfach Unterhaltung.

AP: Und worum wird gespielt?

Balder: Die Prominenten bekommen nichts, auch wenn sie gewinnen. Sie haben genug Geld. Und die Zuschauer erhalten, wenn sie gewinnen, 1.000 Euro bar auf die Hand – mehr nicht, keine Million, gar nichts, keine Reise. Und wenn sie verlieren, bekommen sie 500 Euro dafür, dass sie mitgemacht haben. Und wenn man Zuschauer mitspielen lässt, hat man auch die Möglichkeit, dass man mal ein paar Menschen kennenlernt, die auch einen normalen Beruf haben, sich normal benehmen und Spaß dran haben. Zwtl: Schon Schlimmeres gesehen

AP: Aber Marcel Reich-Ranicki wird vom Stuhl fallen.

Balder: Er wird schon nicht vom Stuhl fallen, er hat bestimmt schon Schlimmeres gesehen, aber es ist eine reine Unterhaltungssendung.

AP: Noch etwas wird bei Ihnen reaktiviert: die Assistentin.

Balder: Ja. Auch Kulenkampff, alle hatten eine. Bei mir in den Sendungen sind es zwei, und die haben auch richtig was zu tun. Ich wollte ‘ne dunkle und ‘ne blonde Assistentin.

AP: Gibt es sonstige Anforderungen, zum Beispiel ans Outfit

Balder: Die sind natürlich entsprechend gekleidet, ist doch klar, aber: Die haben was an, nicht, dass sie… nee, so ist das nicht.

AP: Was genau machen Sie dabe?

Balder: Ich führe durch den Abend, suche die Zuschauer aus, bin natürlich parteiisch ohne Ende. Und das ist es.

AP: Meinen Sie, dass jetzt wieder die Zeit für Spielshows ist, nachdem überall Quiz läuft

Balder: Weiß nicht. Wird man sehen. Wenn es den Zuschauern gefällt, ist es fein; wenn nicht, haben wir Pech gehabt.

AP: Bei Übernahme der Moderation von «Genial daneben» hatten Sie mal gesagt, dass Sie eigentlich nicht mehr an die Front wollten und nun

Balder: Nun bin ich an der Front. Macht auch großen Spaß.

AP: Sat.1-Chef Matthias Alberti lobt Sie als «Godfather des Fernsehens».

Balder: Bisschen übertrieben. Wir kennen uns sehr lange, das ist lieb gemeint, und ich fühle mich auch sehr geschmeichelt…

AP: Es fällt schon auf, dass Jüngeren so was anscheinend nicht einfällt.

Balder: Das weiß ich nicht, vielleicht fällt denen auch viel ein. Ich umgebe mich ja nur mit jungen Leuten; ich hätte deren Vater sein können. Und ich habe viel Spaß mit ihnen.

AP: Es scheint so, dass Sat.1 Sie alles machen lässt.

Balder: Na ja, alles kann ich auch nicht machen. Ich hab’ ja auch nicht laufend Ideen, aber ab und zu. Außerdem bin ich mit «Genial daneben» komplett ausgelastet. Das möchte ich auch noch 20 Jahre machen.

AP: Sie hatten mal die skurrile Idee, eine «Saufshow» zu machen unter dem Motto «Der Klügere kippt nach».

Balder: Ja, richtig, die kommt auch.

AP: Das stimmt nicht, oder

Balder: Doch, die kommt. Aber ich sag’ Ihnen nicht, wo und wann, die kommt nicht bei Sat.1. Wir müssen da noch ein paar Sachen klären, aber wir sind uns alle einig.

AP: Aber das ist doch Alkoholmissbrauch.

Balder: Wenn Sie abends in die Kneipe gehen und Sie trinken ‘ne Flasche Wein, ist das verboten

AP: Nein, aber da gucken auch nicht Millionen zu.

Balder: Das wird so spät gesendet, dass da nur Menschen zugucken, die auch trinken dürfen.

AP: Politisch korrekt ist das sicher nicht.

Balder: Gucken Sie sich doch mal alte Folgen von Werner Höfers «Frühschoppen» an oder den «Kommissar», der hat Zigaretten geraucht und laufend Rotwein getrunken. Hat kein Mensch was gesagt. Wir möchten einfach sehen: Wie reagieren Menschen in einer Talkshow mit Alkohol. Da sagen sie natürlich die Wahrheit, das wird sehr lustig.

AP: Und wer wäre dabe?

Balder: Das sag’ ich nicht.

(Die Fragen stellte Inge Treichel)

Geschrieben von zeugnis

November 23, 2008 um 1:49

Veröffentlicht in Fernsehen

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